19 October, 2026

Gleichstrom als Schlüssel für Europas Energiezukunft: Sächsischer DC-Campus bei der EURegionsWeeks in Brüssel

Wie kann Gleichstromtechnologie die europäische Energiewende voranbringen? Welche Chancen bietet sie für Industrie, Städte und zukünftige Energiesysteme? Und was braucht es, damit innovative DC-Lösungen schneller in die Anwendung kommen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich zwei Veranstaltungen im Rahmen der EURegionsWeek in Brüssel, an denen Vertreter des sächsischen DC Campus teilnahmen.

Im Mittelpunkt standen der Austausch zwischen Politik, Forschung und Industrie sowie die Frage, wie Europa das Potenzial von Direct Current (DC) besser nutzen und seine technologische Wettbewerbsfähigkeit stärken kann.

DC als strategische Technologie für Europa

Beim DCforEU Policy Breakfast im Europäischen Parlament kamen Fachleute aus Politik, Forschung und Wirtschaft zusammen, um über die Rolle von DC-Technologie für kritische Netzinfrastrukturen und eine effiziente Energiewende zu diskutieren. Die Veranstaltung wurde von MEP Andi Cristea ausgerichtet.

Nach der Eröffnung durch MEP Andi Cristea führte Prof. Dirk Van Hertem, Chair of SET Plan Implementation Working Group on Direct Current technologies, in das Thema ein. Er betonte, dass die Energiewende auf eine Energieversorgung ausgerichtet sein müsse, die nachhaltig, zuverlässig und kosteneffizient ist. DC-Technologie könne einen wichtigen Beitrag dazu leisten. Zugleich unterstrich er die Bedeutung einer starken europäischen Innovationslandschaft: Europa solle nicht nur bestehende Technologien nutzen, sondern bei ihrer Entwicklung und Umsetzung eine führende Rolle übernehmen.

Die anschließende Diskussion wurde von Irene Kitsara, European Standardization Initiatives Director bei IEEE Europe und DCforEU, moderiert. Unter dem Leitthema „DC as a Strategic Technology for Europe“ wurden sowohl technologische Chancen als auch wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen beleuchtet. Edward Calthrop von der Europäischen Investitionsbank machte dabei deutlich, dass die Transformation finanzierbar ist und die Investitionen in zukunftsfähige Technologien notwendig sind.

Welche Chancen bieten DC-Verteilnetze?
Der Austausch zeigte, dass DC-Verteilnetze weit mehr als eine technische Alternative darstellen. Sie bieten Chancen, Material optimaler einzusetzen und Erweiterungen einfacher und schneller umzusetzen damit auch die Kosten der Energieversorgung zu senken und die Stabilität und Resilienz der Energieversorgung deutlich zu erhöhen. Insbesondere für die Industrie können effizientere Energiesysteme dazu beitragen, die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Auch die Widerstandsfähigkeit der Netze und die Entwicklung gemeinsamer technischer Standards wurden thematisiert. Einheitliche Regeln für DC-Netze im Nieder- und Mittelspannungsbereich könnten die Entwicklung und Verbreitung entsprechender Technologien über Ländergrenzen hinweg erleichtern und einen deutlichen Kostenvorteil aufgrund eines harmonisierten Binnenmarktes zu ermöglichen. Eine zentrale Erkenntnis des Policy Breakfasts: Damit DC-Technologien ihr Potenzial entfalten können, müssen politische Entscheidungsträger und technologische Expertinnen und Experten noch enger zusammenarbeiten. Der Dialog soll dazu beitragen, Chancen sichtbar zu machen und die Voraussetzungen für die Umsetzung zu verbessern.
Wie Gleichstrom die Städte der Zukunft prägen kann

Die zweite Veranstaltung widmete sich der Frage, welchen Beitrag Gleichstrom zur Entwicklung zukünftiger Städte leisten kann. Die Session brachte technisches Fachwissen und lokale Perspektiven zusammen, um die Bedeutung von DC-Technologien für die europäische Energiewende verständlich zu machen und konkrete Anwendungsfelder aufzuzeigen.

Auch hier gab Prof. Dirk Van Hertem eine Einführung in das Thema. Seine zentrale Botschaft: Für die Wechselstromtechnologie gab es in der Vergangenheit gute Gründe – für Gleichstrom gibt es gute Gründe mit Blick auf die Zukunft.

Stefan Kornhuber, der in den Paneldiskussionen teilnahm, erläuterte die Bedeutung von Mittelspannungs-Gleichstromnetzen (MVDC) und deren Vorteile. Darüber hinaus stellte Dr. Hartwig Stammberger der Open Direct Current Alliance (ODCA) die Arbeit und Ziele der Allianz vor.

Die Diskussion machte deutlich, dass nicht die DC-Technologie allein im Mittelpunkt stehen sollte, sondern die Frage, welche konkreten Energieprobleme sich mit ihr lösen lassen. Gleichstrom kann beispielsweise für Rechenzentren und industrielle Anwendungen eine wichtige Rolle spielen. Dort, wo Erzeugung, Speicherung und Verbrauch elektrischer Energie effizient miteinander verbunden werden müssen, eröffnen sich neue Möglichkeiten für die Gestaltung von Energiesystemen.

Sicherheit, Umsetzung und europäische Wettbewerbsfähigkeit

Ein weiterer Schwerpunkt war die Sicherheit von DC-Systemen. Dabei wurde deutlich, dass Gleichstrom bei geeigneter Auslegung und mit passenden Schutzkonzepten sicher betrieben werden kann. Moderne Schutztechnik schafft dafür wichtige Voraussetzungen. Die Diskussion zeigte zugleich, wie wichtig es ist, bestehende Vorbehalte gegenüber DC durch Wissen, praktische Erfahrungen und nachvollziehbare technische Lösungen abzubauen.

Neben den technischen Fragen rückte auch die Geschwindigkeit der Umsetzung in den Fokus. Die Energiewende erfordert Lösungen, die nicht erst in ferner Zukunft verfügbar sind, sondern innerhalb der kommenden Jahre eingesetzt und skaliert werden können. Verzögerungen bergen das Risiko, dass andere Weltregionen die technologische Entwicklung und industrielle Umsetzung dominieren. Für Europa geht es deshalb darum, Innovationen frühzeitig in die Praxis zu bringen und eigene Kompetenzen auszubauen.

Eine enge Zusammenarbeit mit den Verteilnetzbetreibern (Distribution System Operators, DSOs) ist dafür besonders wichtig. Sie sind zentrale Akteure bei der Integration neuer Technologien in die bestehende Energieinfrastruktur und müssen frühzeitig in Entwicklungs- und Umsetzungsprozesse eingebunden werden.

Gemeinsam die Zukunft der DC-Technologie gestalten

Beide Veranstaltungen verdeutlichten, dass die Weiterentwicklung von DC-Verteilnetzen eine gemeinsame Aufgabe von Forschung, Industrie, Politik und Netzbetreibern ist. Neben technischen Innovationen braucht es geeignete Rahmenbedingungen, gemeinsame Standards, Investitionen und einen kontinuierlichen Austausch zwischen den beteiligten Akteuren.

Für den sächsischen DC Campus bieten solche Gespräche wichtige Impulse, um Forschung und Anwendung miteinander zu verbinden und die Entwicklung zukunftsfähiger Gleichstromtechnologien voranzubringen. Der Austausch in Brüssel hat gezeigt: DC ist kein Selbstzweck, sondern ein Weg, die Energieversorgung effizienter, nachhaltiger und widerstandsfähiger zu gestalten. Entscheidend wird sein, die vorhandenen Möglichkeiten konsequent weiterzuentwickeln und rechtzeitig in die praktische Anwendung zu überführen.

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